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  Dietrich Faber: Toter geht's nicht: Bröhmanns erster Fall
 

Eine Memme auf der Spitze

Wenn uns die Literatur ein klassisches Bild einer Mordtat und der folgenden Polizeiermittlung bringt, kann man sich auch ein spiegelverkehrtes Bild vorstellen. Alles umgekehrt! Z.B. wenn in einem Krimiroman ein Mensch im Kostüm des Todes erscheint, muss er unbedingt andere Personen im Roman brutal töten, nicht wahr? Das ist das Genregesetz. Ein Mann im Kostüm des Todes erscheint gerade am Anfang vom Krimiroman Toter geht’s nicht – und zack: Wird er brutal ermordet. Aha? Es tötet nicht er – man tötet ihn… Toter geht’s nämlich nicht.

Das ist nicht die einzige Überraschung im Buch. Nicht der einzige „Verstoß“ gegen Genregesetze. Der gesamte Ermittlungsablauf ist spiegelverkehrt aufgebaut. Der Leitende Ermittler, Hauptkommissar Henning Bröhmann, will keinen Mörder suchen. Es macht ihm nämlich keinen Spaß mehr, Kriminalfälle aufzuklären. Er hat weder Bestrebungen noch die Fähigkeiten dazu. „Ich bin eine Memme, und das aus voller Überzeugung“, sagt er nicht ohne Stolz. Gerne hält Vorbeugungsvortrage in Schulen, schreibt die Präventionsbroschüre und stellt sie der Öffentlichkeit vor. Glücklicherweise lebt er im hessischen Netz der ruhigen Kaffs, wo es praktisch keine Verbrechen gibt. Wenn was los ist, gibt’s Kollegen, die für „Fälle“ zuständig sind.

Im Fall passiert aber alles bitter und gleichzeitig. Der Tod ist tot. Der Kollege, der die kriminellen Rätsel lösen kann, ist wegen einer schweren Krankheit seiner Tochter abgezogen. Der „Hauptmemmekommissar“ Bröhmann wird spontan zum Spitzenermittler. Seine überforderte Frau geht aus der Familie weg. Bröhmann bleibt ohne kleinste Unterstützung mit seiner pubertierender Tochter und dem noch in die Hose pinkelnden Sohn. Und mit sowohl pinkelndem wie auch überproportional oft furzendem Berlusconi. Das ist noch nicht alles, durch was Bröhmanns Ermittlung trabt. Eigentlich sind die Haushaltshindernisse interessanter und spannender als die Ermittlung selbst. Z. B. die „Rettungsoperation“ nach Berlusconis Sturz in einen Fluss. Heikle Sache, weil es selbstverständlich unerträglich ist, durch die ganze Gegend „Berlusconi, Berlusconi!“ zu schreien. Übrigens ist Berlusconi ein Hund, der so genannt wurde, weil Bröhmanns Frau den Putin nicht mag… Spürt man, was für ein straffer Knoten geschnürt wird? Je kleiner die Sachen, desto größer. Obwohl auch die echt große Sache, diese blöde unerwünschte Ermittlung, langsam interessanter und interessanter wird, trotz Bröhmanns Bereitschaft aufzugeben.

Humorvoll, mit Witz und auch seriösen Gedanken erzählt Dietrich Faber seine Kaff-Krimigeschichte. Bis zum überraschenden Finale. Viel Spaß beim Lesen! In der Reihe der Provinzkrimis, die in der heutigen deutschen Literatur zum Trend geworden sind, sieht Bröhmanns erster Fall toll aus. Weitere Fälle garantiert!

 

Eckdaten:

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Polaris (1. November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862520242
  • ISBN-13: 978-3862520244


Meine Bewertung: ****

 
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