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  Emma Donoghue: Raum
 

Alles nur Fernseher?

Ein kleiner Junge namens Jack lebt in einem kleinen Raum, schläft manchmal sogar im Schrank. Ein anderes Leben kennt er nicht. Er verlässt den Raum nie, hier wurde er auch geboren. Alles weitere außerhalb des kleinen Zimmers kennt er nur vom Fernseher. Natürlich stört es ihn nicht, weil er keine andere Welt gesehen hat, nicht einmal vor die Tür gegangen ist. Er nimmt sein Leben so wie es ist, für ihn ist es normal. Seine Mutter ist bei ihm, sie lebt mit ihm in diesem Raum und verlässt ihn auch nie, obwohl sie früher anscheinend auch ein anderes Leben führte, nicht als Gefangene in diesem Raum. Nachts kommt Old Nick, und daran ist nichts Gutes für den kleinen Jack. Die Mutter versteckt ihn im Schrank, offensichtlich will sie nicht, dass der Nachtgast ihrem Sohn begegnet.

Eine spannende und ergreifende Lektüre. Das Thema ist nicht neu und trotzdem immer aktuell. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, als ob der kleine Jack uns selbst über sein Leben in dem Raum erzählt. Deswegen ist die Sprache entsprechend kindisch, mit vielen gekünstelten Fehlern, so wie eben ein 5-Jähriger spricht. Das Buch liest sich aber gut und flüssig. Weil im Klappentext auch von der Flucht Jacks und seiner Mutter schon die Rede ist, verrate ich somit nicht zu viel, wenn ich sage, dass mit dieser Flucht das neue Leben für Jack beginnt. Er findet sich mit diesen Änderungen nicht zurecht. Früher war seine Ma nur für ihn allein da. Früher kannte er nur wenige Gegenstände „in echt“, alles andere war „Fernseher“. Jetzt muss er viel Neues lernen. Nicht alles findet er gut, es ist auch nicht alles gut und selbstverständlich in dieser „echten“ Welt, nicht nur aus einer Kindessicht.
Der kleine Jack und somit die Autorin verwenden viel zu viel Fernseh-Wissen, erwähnen Unmenge der Figuren aus Sendungen oder Serien, das war mir ehrlich gesagt schon überflüssig. Dabei durfte Jack nur eine Stunde pro Tag fernsehen. Manchmal habe ich beim Lesen das Gefühl, Emma Donoghue wollte uns nicht nur eine ergreifende Geschichte erzählen, sondern sich viel mehr gegen das heutige Fernsehen auslassen, das „unser Gehirn schnell zu Brei macht“.

Dass Jack so oft an einem faulen „Schlimmerzahn“, den seine Ma verloren hat, lutscht, fand ich eklig, obwohl es ihm vielleicht das Gefühl gibt, wieder ganz nah zu seiner Mutter zu sein, wie ein Teil von ihr. Aber ich glaube, es wäre auch nicht „in echt“, sondern „nur Fernseher“, ausgedacht von der Autorin. Keinem Kind wird ein verfaulter oder auch gesunder Zahn schmecken, egal aus welchem Grund.
Einige Stellen fand ich ziemlich übertrieben. So kann Jack z.B. mehrere Tage seines „neuen“ Lebens die Treppe nicht hoch- oder runtergehen, es gab ja in Raum keine Stufen! Aber das lernt man nicht extra! Fußball dagegen kann er gleich spielen, obwohl der Raum nur 12 Quadratmeter groß war und keine Möglichkeiten für solche Spiele hatte. Dass Ma ihn lange fünf Jahre immer noch stillt, ist für mich auch nicht unbedingt wahrhaftig, unterstreicht aber die Idee der Autorin über besondere Nähe zwischen Mutter und Kind, welche sowieso selbstverständlich in einem Raum wäre. Ein Kind kann sich nicht genau daran erinnern, wie es war, als er 2 (oder 3, 4) Jahre war, Jack macht es ständig, das kommt mir doch eher wie aus einem Erwachsenenleben vor. Und seine soliden Kenntnisse in Geschlechtsfragen sind mir auch nicht ganz nachvollziehbar.

Einige Informationen über den Täter, den Old Nick, über seine Motive und Beweggründe wären auch sinnvoll, sonst geht diese Figur ganz am Rande der Story.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, es liest sich schnell und lässt einen allerdings nicht gleichgültig. Empfehlenswert für alle nachdenklichen Leser.


  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 3 (August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492054668
  • ISBN-13: 978-3492054669
  • Originaltitel: Room


Meine Bewertung: ****

 

 
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