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  Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben
 

Ein Mensch, zum Mörder gemacht

Was ist der Reiz der Kriminalromane? Die Suche nach der Lösung des Rätsels. Die Feststellung, wer der Mörder ist. Ein guter Kriminalroman wird außerdem durch die realistische Darstellung der Tatmotive interessant. Ein sehr guter Kriminalroman zeigt auf eine realistische Weise, wie ein Mensch zum Verbrecher wird. Denn keiner wird als Verbrecher geboren, genauso wenig wie man als Held geboren wird. Manchmal wird in einem Kriminalroman erzählt, wie ein Mensch zum Verbrecher gemacht wird. Vorsätzlich und zielstrebig.

Zu diesem Thema gibt es viele erfundene oder halberfundene Geschichten. Manipulation der Persönlichkeit, Anwendung von psychotropen Präparaten, Hypnose, Einpflanzung von Computerchips ins Gehirn…

Doch nichts davon findet man im Roman von Nele Neuhaus. Darin gibt es keine einzige Situation, die die Realität nur um einen winzigen Schritt überschreitet. Die Haupthandlung des Romans ist der Alltag in seinen typischen Situationen. Und doch ist die erzählte Geschichte unglaublich. Die Erzählung davon, wie ein Mensch durch seine Umgebung zu Mörder gemacht wurde. Gemachtund zwar bewusst. Ausweglos. Obwohl dieser Mensch von sich aus kein Bestreben danach hatte, die Gesetze zu brechen – geschweige denn, jemandem etwas Böses zu tun.

Mit psychologischer Tiefe, in kleinsten Details wird das Leben eines kleinen Dorfes in Hessen gezeigt. Jeder Charakter, jeder Dorfbewohner ist mit Leben gefüllt, deren Freuden und Trauer, Bestrebungen und Ängste, Tugenden und Sünden werden gezeigt.

Die mühevolle psychologische Ausarbeitung sowie die detailreiche Erzählung machen den Roman auf den ersten hundert Seiten etwas langsam. Zwischen den vielen Charakteren vergisst man schon mal die Zusammenhänge.

Aber je weiter die Geschichte fortschreitet, desto spannender wird sie. Hinter jeder Episode sickert die Atmosphäre eines schrecklichen Geheimnisses durch. Warum hat ein Dorf den Mord zweien jungen Frauen gebraucht? Warum wurden diese Frauen, ohne das selbst zu wissen, für dieses schlimme Ende bestimmt?

Und wenn die Morde geplant wurden, muss es auch einen Mörder geben. Und ein junger Dorfbewohner wird zum Mörder gemacht – weil ja schließlich jemand für das, was passiert ist, haften muss.

Elf Jahre alte Geschehnisse, als die Morde passiert sind, werden abwechselnd mit der Erzählung in der Gegenwart dargestellt – als der Täter nach der Haftstrafe entlassen wird und in sein Heimatdorf zurückkehrt. Die Geschichte wiederholt sich in paranoider Reihenfolge: es wird wieder ein Opfer ausgesucht, eine junge Frau, die einer damals Ermordeten erstaunlich ähnlich sieht. Und zum Mörder wird wieder jemand, von dem man nichts anderes erwartet, als ein weiteres Verbrechen.

Was steht hinter diesem Teufelskreis sich wiederholenden Horrors?

Wurden die Morde wirklich durch denjenigen begangen, dem diese Rolle zugeschrieben wurde? Oder ist der wahre Mörder ein anderer. Die Kommissare Pia Kirchhof und Oliver von Bodenstein haben noch nie einen solch komplizierten Knoten von Intrigen und Lügen zu lösen gehabt. Nebenbei behindern ihre privaten Erlebnisse die Ermittlungen: Oliver bekommt einen Hinweis nach dem anderen, dass seine Frau ihn betrügen würde, und Pia erfährt mit Schrecken, dass ihr gekauftes Haus illegal gebaut wurde und sie jeden Tag das Dach über dem Kopf verlieren kann…

Werden die Kommissare die Hintergründe der Geschehnisse im Dorf erkennen, werden sie den Rätsel um die Morde lösen?..


Eckdaten:

  • Taschenbuch: 537 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548609821
  • ISBN-13: 978-3548609829
Meine Bewertung: ****
 
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