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  Oliver Pötzsch: Die Ludwig-Verschwörung
 

Noch ein Märchen über den Märchenkönig gemurmelt

Jeder würde gerne einen König als Vorahnen haben. Nicht jeder aber, der ein Nachkomme des Königs ist, weiß davon Bescheid.

Mit dem Leben und besonders mit dem Tod des Märchenkönigs Ludwig II. sind viele Geheimnisse verbunden, es tauchen immer wieder neue Theorien, Vermutungen und Mutmaßungen auf.

Der Münchner Antiquar Steven Lukas bekommt rein zufällig ein geheimnisvolles Kästchen mit einem Tagebuch aus dem 19. Jahrhundert in seine Finger. Als er das Büchlein aufschlägt, kann er noch nicht ahnen, wohin ihn diese Geheimnisse führen werden. Sonst hätte er vielleicht das Tagebuch auf der Stelle zurückgegeben, vor allem weil so viele (und nicht immer nur gute) Leute es haben wollen. Es beginnt eine gefährliche Schnitzeljagd.

Auf Stevens Seite steht die schöne Sara, aber steht sie wirklich für ihn? Hin und wieder gibt es Andeutungen, sie könne auch zu den Stevens Verfolgern gehören. Und auch freiwillige Helfer – sind sie wahre Königsfreunde oder handeln sie nur aus eigenem Interesse? Das alles wird natürlich am Ende zu allem Guten erklärt, aber der Autor macht es spannend. Er hat die historischen Hintergründe und die aktuelle Krimi-Handlung gut vermischt. Die Fakten aus dem Leben Ludwigs II. sind interessant, genau so wie die heutige damit verbundenen Tatsachen, wie z.B. dieser Guglmänner-Orden (wenn auch etwas übertrieben, aber mit Humor). Sehr hilfreich sind jedoch das kleine Glossar für Verschwörungstheoretiker und die Karten und Pläne von den beschriebenen Orten. Das macht übrigens Lust, diese berühmten Schlösser (noch mal) zu besuchen.

Die bayrische Authentizität des Romans muss auch noch erwähnt werden. Vielleicht nicht für alle Nicht-Bayern verständlich, aber diese Liebe zu dem „Kini“ existiert hier doch auch heute, die von dem Autor liebevoll bemalten Bilder sind keineswegs unglaubhaft.

Was mich beim Lesen allerdings ziemlich störte, war die besondere Vorliebe des Autors zum Wort „murmeln“. Die im Buch handelnden Personen reden kaum, sie sprechen fast nicht, sie schreien nicht, sie flüstern auch nie. Sie murmeln nur. Das Wort kommt auf jeder Seite vor, und sogar mehrmals. Als ob Herr Pötzsch keine weiteren Synonyme finden könnte. Eigentlich schade, weil sein Stil mir insgesamt gut gefallen hat, er ist lebendig und abwechslungsreich, der Roman liest sich schnell und flüssig. Die zwei Stränge (damals, im Tagebuch, und heute, in unserer Zeit) sind bewusst wie von zwei verschiedenen Leuten geschrieben, den sprachlichen und inhaltlichen Unterschied hat der Autor ganz gut erfasst und wiedergegeben, das ist ihm gut gelungen.

Die Spannung der Geschichte lässt den Leser das Buch kaum beiseite legen, bis die letzten Seiten gelesen werden. Obwohl manche Passagen nicht sehr wahrheitsgetreu, unrealistisch und gar märchenhaft erscheinen, ist das Buch fesselnd und lesenswert. Genau die richtige Märchengeschichte über den Märchenkönig. Sehr zu empfehlen!


Eckdaten:

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548282903
  • ISBN-13: 978-3548282909
Meine Bewertung: *****

 
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